Wissenschaftliches Prekariat an Hochschulen - Nachwuchswissenschaftler/innen zwischen Karriere und Abbruch
http://www2.tu-berlin.de/zek/koop/kooptag.html
Abgebrochene Promotionen oder lange Promotionszeiten, keine oder unzureichende Betreuung, hohe Arbeitsbelastungen auf befristeten Teilzeitstellen, Finanzielle Sorgen, umfangreiche unbezahlte Mehrarbeit, die die Möglichkeiten zur Promotion beschneidet, problematische Kommunikationsstrukturen in den Fakultäten, mangelnde Weiterqualikationsmöglichkeiten, unsichere Karriereaussichten, keine Familienplanung….So und ähnlich lauten Beschreibungen der Arbeits- und Qualikationsbedingungen des Akademischen Mittelbaus, der an deutschen Universitäten den größten Teil der Lehre und
Forschung trägt:
Es gibt an deutschen Hochschulen ca. 100.000 Promovierende. Die Zahl der jährlichen Promotionen außerhalb der Medizin wird mit einer Größenordnung von ca. 20.000 angegeben. Es existieren insgesamt schätzungsweise ca. 20.000 Post-Doc-Stellen. Jährlich werden ca. 2000 Habilitationen abgeschlossen. Etwa 90 Prozent des wissenschaftlichen Nachwuchses muss sich nach Ablauf der befristeten Beschäftigung an der Hochschule bzw. nach Abschluss der Promotion die Frage stellen, wie es beru? ich weiter geht. Vor diesem Hintergrund sollen auf der Tagung folgende Fragen diskutiert werden:
Wie sieht an deutschen Universitäten die bisherige und derzeitige beru? iche Situation der Nachwuchswissenschaftler/-innen aus? Wie erleben sie diese Situation und als wie unsicher bzw. „prekär“ emp? nden sie diese? Welche Verbesserungsvorschläge formulieren sie? An wen richten sie diese? Wie könnten diese durchgesetzt werden? Wie schätzen sie ihre beru? iche Zukunft ein? Wie beurteilen sie die Gewerkschaften und Personalräte, welche Forderungen, Fragen und Kritik haben sie an diese?
Betroffene akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen auf dieser Tagung ebenso zu Wort kommen, wie Vertreter der Universitätsleitungen und wissenschaftliche Experten, Personalräte und Gewerkschafter. Die TU Berlin hat mit zwei empirischen Umfragen 2002 und 2007 unter ihren „wissenschaftlichen Mittelbauern“ versucht, deren beru? iche Situation zu analysieren und sinnvolle strukturelle Veränderungen einzuleiten – hatte die Universität damit bisher Erfolg?
Im Auftrag von ver.di wurde 2008 in einer breit angelegten Online – Befragung an den Universitäten in Oldenburg, Jena und der TU Berlin der „wissenschaftliche Nachwuchs“ um Auskunft, Kritik und Vorschläge gebeten – die Ergebnisse der Studie werden auf der Tagung erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt und können ab Januar 2009 eingesehen werden bei der Tagungsankündigung unter:
www2.tu-berlin.de/zek/koop/kooptag.html
Mit dem Projekt„Campus der Zukunft“ geht ver.di seit zwei Jahren aktiv und „neugierig“ auf die Wissenschaftler/innen und Studierenden zu, will mehr über deren Arbeits- und Lebenssituation, Sorgen und Wünsche erfahren und – zusammen mit den Personalräten und den betroffenen Gruppen selbst – mithelfen, an den Hochschulen für bessere Lern-, Lehr- und Forschungsbedingungen zu sorgen. Ob und wie dies funktionieren kann – auch das soll Thema der Tagung sein: ein offenes Gesprächsangebot, das konkretes und energisches Engagement für die Zukunft der Nachwuchswissenschaftler/innen verspricht.
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